Chinas Einfluss auf das 21. Jahrhundert ist begrenzt

Es ist sicher typisch für aufstrebende Weltmächte, sich zu überschätzen. Den Chinesen wird es da nicht anders gehen. Chinas Weltmacht beruht auf wirtschaftlichem Einfluss. Ein riesiges Volk erzeugt einen riesigen Markt und davor kriechen alle zu Kreuze. Die militärische Macht ist nicht so ausschlaggebend wie man zuerst meint. Schließlich hat China schon seit vielen Jahrzehnten die Atombombe und blieb doch lange nur ein Entwicklungsland ohne Mitspracherecht in der großen Politik.

 

Aber China gehört zu Südostasien und dort gibt es eine Mentalität, die nicht exportfähig ist für den Rest der Welt. In Ländern wie Japan, Korea oder eben China ordnet sich der Einzelne der Masse unter. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking sah man Bilder, die man auch 20 Jahre vorher in Seoul zu sehen bekam: Perfektionistische Masseninszenierungen, aber keine Individualität. Schon in Seoul fielen die Veranstalter negativ auf, wenn Sportler nicht nach Zeit- und Raumplan jubeln wollten und sie deshalb von Ordnern zurechtgewiesen wurden.

 

Eine solche Mentalität gibt es nur in dieser Region der Welt. Schon in Indien funktioniert das nicht mehr, geschweige denn auf anderen Kontinenten wie Europa, Ozeanien, Afrika oder Amerika.

 

Die Chinesen können daher Waren exportieren, aber nicht ihr Lebensgefühl. Bei den USA des 20. Jahrhunderts war das anders. Man konnte ihren Vietnamkrieg verdammen, aber amerikanische Popmusik hören. Man konnte auf den Irakkrieg schimpfen, aber amerikanische Filme und TV-Serien ansehen. Die USA waren auch eine Vision für einen ganz bestimmten Menschenschlag: Wer ehrgeizig ist, kann reich werden. Wenn du scheiterst, hilft dir keiner. Wer in die USA ging, wußte woran er war. Volles Risiko und was dabei herauskam, gehörte einem ganz allein – im Guten wie im Schlechten. Deshalb wollen die US-Amerikaner auch keine Krankenversicherung nach deutschem Modell. In Deutschland mögen viele das unsozial finden, aber dieser ganz bestimmte Typ Mensch hat genau davon geträumt. Nebenbei ist Deutschland vielleicht genau deshalb so sozial, weil eben die anders Denkenden in die USA abgewandert sind, ein Sechstel aller US-Amerikaner sollen deutsche Wurzeln haben.

 

Doch niemand will leben wie ein chinesischer Landarbeiter. Niemand will eine Regierung, bei der man selbst als Mensch beiseite geschubst wird, wenn ein großes Bauprojekt durchgesetzt wird. Niemand möchte nach China gehen, um dort sein Glück zu machen. Für niemanden gibt es den chinesischen Traum. Nur die Wirtschaftskraft und die dadurch wachsende politische Macht beeindrucken.

 

Daher wird China wahrscheinlich die Weltmacht in der ersten Hälfte des 21. Jahrhundert sein (weitergehende Prognosen wären nicht seriös), aber der Einfluss auf die Welt wird nicht so prägend sein wie im Falle der USA nach dem 2. Weltkrieg.

26.3.10 19:38

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen